GB004 | Portrait: Weihbischof em. Wolfgang Weider



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avatar Weihbischof Wolfgang Weider Gast
avatar Clara B. Prenzlau
Intro

Im Januar 2016 sprach ich mit dem emeritierten Weihbischof im Erzbistum Berlin – Weihbischof Wolfgang Weider – in seinem sehr kleinen Büro, im Erzbischöflichen Ordinariat, in der Niederwallstraße in Berlin. In diesem Büro steht nicht viel mehr als ein Schreibtisch mit einem PC, eine Wand voll Bücher, ein Faxgerät und zwei Stühlen. Ein kleines Fenster von nicht mehr als 1m Breite spendet karges Licht, im verwinkelten Dachgeschoss.

Seine Exzellenz Weihbischof Wolfgang Weider ist ebenfalls Bischof des Titularbistums Uzita, welches sich im aktuell aufgewühlten Tunesien befindet. Wolfgang Weider ist nun seit 58 Jahren Priester im Erzbistum Berlin (Weihe: 21. Dezember 1957) und seit guten 34 Jahren Bischof (Weihe: 25. März 1982 durch Card. Meisner). In dieser Zeit ist viel geschehen, was von weltpolitischem Interesse war. So beispielsweise wurde die Mauer gebaut, die fast 30 Jahre lang zum Brennpunkt für die ganze Weltpolitik wurde, welche dann 1989 eingerissen wurde. In seiner Zeit als Priester hat er bis jetzt vier Diözesanbischöfe miterlebt und  stand zweien als amtierender Weihbischof zur Seite.

Das Brustkreuz (Pektorale) des Weihbischofs em. Wolfgang Weider, er trug es bis 1989. Es zeigt die geteilte Stadt Berlin und wurde ihm von Cardinal Meisner geschenkt. Das Brustkreuz kann in der Schatzkammer der St. Hedwigskathedrale in Berlin angesehen werden.
Das Brustkreuz (Pektorale) des Weihbischofs em. Wolfgang Weider, er trug es bis 1989. Es zeigt die geteilte Stadt Berlin und wurde ihm von Cardinal Meisner geschenkt. Das Brustkreuz kann in der Schatzkammer der St. Hedwigskathedrale in Berlin angesehen werden.

Im Jahre 2009 nahm seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI sein Ersuchen an, das Amt des Weihbischofs von Berlin niederzulegen. Bis dahin erlebte er die Finanzkrise des Erzbistums, aber auch die Erhebung des Bistums Berlin zum Erzbistum Berlin. Die neue Kirchenprovinz Berlin umfasst nun das Bistum Dresden-Meißen, aus dem der 2015 neu gewählte Erzbischof Heiner Koch nach Berlin kam, sowie das Bistum Görlitz. Wolfgang Weider lebte im Ostteil des Bistums und somit einen ganz eigenen Blick auf die geteilte Welt. Dies drückt sich unter anderem im Motiv seines Bischofskreuzes aus. Es bildet die geteilte Stadt Berlin ab.

Wolfgang Weider ist zwar in einem hohen Alter (geboren am: 29.10.1932 in Berlin), was seinen Scharfsinn, seine Liebe zur Kirche und vor allem sein Erinnerungsvermögen nicht schmälert. Sein Wahlspruch lautet “Quod dixerit vobis, facite” (“Was Er euch sagt, das tut.”). Seine Exzellenz Weihbischof Dr. Matthias Heinrich ist Weiders Nachfolger im Amt des Weihbischofs von Berlin.

Wer jetzt Lust hat Wolfgang Weider mal live zu erleben, kann jeden Dienstag Abend um 18:00 Uhr in die St. Hedwigskathedrale, der Bischofskirche des Erzbischofs von Berlin, zur Messe in die Unterkirche kommen. In der Regel nimmt er dort ab 17:15 Uhr die hlg. Beichte ab und feiert danach die Abendmesse, hier ist der Messplan zu finden (rechts in der Navigation). Wie er erzählte feiert er die Messe auch täglich in der Kapelle des St. Josephsheims, in der prenzl’berger Pappelallee. Dort geht er jeden Morgen um halb acht hin, was für ihn schon spät sei, wie er meinte. Er wohnt ganz in der Nähe, im Turm der nahe gelegenen Gemeinde Heilige Familie, dort bewohnt er, wie er sagt: “die schönste Wohnung der Stadt”, auch wenn sie schlecht geschnitten und zur Nordseite raus ist.

Nicht immer zelebriert er dort auch, manchmal sitzt er auch nur in der Bank der Kapelle. Der Weihbischof em. ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner; und wer ihn ein bisschen erlebt, bemerkt schnell seinen Sanftmut. Sagen Sie doch einfach mal ein nettes  Hallo, wenn Sie ihn in der Stadt, oder der Messe treffen – er freut sich bestimmt.

Shownotes

Die Frage der (Titular)bistümer auf berliner Gebiet

Alle ehemaligen Bistümer, die heute im Gebiet von Berlin sind, sind Bistümer ohne Titularbischof und mehr, oder weniger verwaist. Hier die Einträge in der Datenbank “Catholic Hierarchy“, dort sind unteranderem auch die Namen der Bischöfe aufgeführt und die historischen Namen, sowie weitere historische Daten:

Allgemeine Shownotes

Zugehörige Episoden

Gott Bewahre: GB002 – Sakramente

Das Bildmaterial wurde zur Veröffentlichung von der Pressestelle des Erzbistums zur Verfügung gestellt.

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24 Comments

  1. Danke für die Einblicke!
    Der Bischof hat eine sehr ergreifende Vita. Krieg, Vertreibung, Flucht der Bruders in den Westen, verstorbener Bruder, Aufnahme eines Adoptivbruders, TBC, im Prinzip alles was einem Menschen passieren kann ist passiert. Er hat die Teilung erlebt und deren Überwindung. Und das mitten an der Nahtstelle des kalten Krieges! Ich glaube man braucht viel Gottvertrauen. Er wollte früh Priester werden und hat den richtigen Weg gewählt, so wie es klingt.

    Grüße aus dem Erzbistum München und Freising!
    Pjotr

  2. Es ist ja nicht unbeeindruckend, wenn man den Bischof, respektive Weihbischof, seiner Diözese dazu gewinnen kann in einem Internet-Podcast mitzumachen. Und noch schöner ist es, wenn man als Hörer dann so eine beeindruckende Folge zu hören bekommen kann. Seine Erzählungen zeugen von einer sehr großen Liebe zum Amt und der Berufung.
    Er scheint ein sehr demütiger Diener zu sein, wenn er so ein kleines Büro hat, wie es beschrieben worden ist,und dann och eine so einfache Wohnung für die “schönste Wohnung der Stadt” hält. Das ist eine tolle Person.
    Vielen Dank für diese Folge, die mir die Nachtschicht versüßt hat!

    PS: Unterstützt Sie das Erzbistum Berlin? Das sollte es nämlich, und wenn es nur die Server- oder Auphonic-Kosten sind, bei der PR die Sie da machen.

  3. Ich bin noch nicht ganz durch mit der Folge, der Rest kommt auf der Heimfahrt. Aber ich muss unbedingt los werden, wie mir das Lachen gefällt. Offenbar sind die ungewöhnlichen und frischen Fragen dei seiner Exzellenz gut angekommen. Das ehrliche Lachen wirkt doch sehr freundlich und gutmütg. Mir gefällt der Mann gut. Ich bin mir nicht sicher, ob das unser Weihbischof mitmachen würde …
    Auf jeden Fall eine tolle Folge!

  4. Ganz famos
    Man kann die Gelassenheit mit der der Herr Bischof durch die Welt wandelt förmlich spüren. Ich wünschte, ich hätte in meinem Bistum so cooles und gelassenes Führungspersonal. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass ein Mann mit dem stolzen Alter von 83 Jahren sich für so ein “hippes und modernses Internetzeugs” hergibt.

  5. Es ist schön dem erfahrenen und weltgewandten Mann beim Resumieren zu lauschen. Aber ich knn mir vorstellen, dass er ncoh viel detaillierter von bestimmten Ereignissen erzählen könnte. ??

  6. Die Folge ist ja interessant. Die schreit ja danach den kargen Wikipedia-Artikel über den Weihbischof Weider mit Daten und Fakten zu polieren. Darf man die Bilder für die Wikipedia benutzen? ⌨️?

  7. Das ist ein wundervolle Interview. Man kann förmlich hören, wie der Bischof da mit dem jungen Herren beisammen sitzt, bei Kaffee und Kuchen sitzt und ein bisschen aus dem Leben plauscht. Wunderschön!Das ist ein wunderschönes Stück Zeitgeschichte. Vielen Dank!

  8. Das ist ein wundervolle Interview. Man kann förmlich hören, wie der Bischof da mit dem jungen Herren beisammen sitzt, bei Kaffee und Kuchen sitzt und ein bisschen aus dem Leben plauscht. Wunderschön!Das ist ein wunderschönes Stück Zeitgeschichte. Vielen Dank!

  9. “Manchmal schwitze ich mehr, als der Beichtende.” Das ist mal ne coole Aussage. Aber ist ja schön, dass er die Beichte auch auf englisch abnehmen kann. Ich finde den Weihbischof sehr nett anzuhören. Ich bin öfters mal in Berlin, ich werde mir wohl mal eine Messe mit ihm anschauen.
    Die Geschichte, wie er als Kaplan in Ost-Berlin war und in der Wohnung seine Kirche machen musste über der Bar ist eine herrliche Perle. Kann man Links so verschicken, dass die Abspielung automatisch an einer stelle beginnt? Ich würde die Stelle gern jemandem schicken.

  10. Herr Weider,
    Haben Sie in ihrem bewegten Leben auch Familien zerbrechen sehen? Ab und an erlebe ich Sie sogar in der Kathedrale. Glauben Sie, dass das Erzbistum weiter ein solches bleibt oder glauben Sie, dass das Bistum Berlin in absehbarer Zeit mit seinen Sufraganbistümern fusionieren muss. Gar nicht wegen der wenigen Gläubigen, sondern vor allem weil es wenige Priester gibt. Die Freikirchen machen das oft genauso, dass sie einen “Vereinsbereich” Ost-Deutschland o. Ä. haben.

    Im Übrigen finde ich das wirklich einen großartigen Zug von Ihnen, verehrter Herr Weihbischof, in einen Podcast zu kommen. Ob Ihr Nachfolger Heinrich das auch täte?

    Wie haben Sie die Krise vom den frühen 2000ern genau erlebt? Dachten Sie, dass da alles vorbei war? Das Bistum war in einer enorm tiefen Krise. So tief, dass sinnbildlich nicht mal mehr die Telefonrechnung bezahlt werden konnte. Haben Sie sich nicht Unbehagen empfunden, als Sie dann auch och Unternehmensberater ins Haus lassen mussten? Sie haten ja angedeutet, dass es ihnen schwer fiel die Mitarbeiter zu entlassen.

    • Antwort von Weihbischof em. Weider:

      Natürlich habe ich auch gute christliche Ehen zerbrechen sehen.
      Besonders schmerzlich war es immer, wenn der katholische Teil untreu wurde, der einmal den glaubensfernen Partner oder die Partnerin dem christlichen Glauben näher gebracht hatte und wenn Kinder dadurch ihre Lebensmitte und ihr Grundvertrauen an die Eltern verloren. Jedoch die Familien, denen ich in Freundschaft persönlich besonders verbunden war oder die ich auf Grund persönlicher Beziehung getraut hatte, haben erstaunlicher Weise vorwiegend gehalten. Ich habe einmal sogar erlebt, dass eine zweite außereheliche Beziehung wieder aufgegeben wurde, um die eigene Ehe zu retten und in lebendiger Beziehung zur Kirche zu bleiben. Daneben gab es auch Ehen, die zerbrachen, obwohl sich ein Partner wirklich bemühte, die erste Verbindung zu retten, aber leider vergeblich. Er schaffte es nicht, weil die neue Beziehung und der neue Partner zu stark für ihn geworden war. Eine rechtzeitige gründliche Trennung hätte vielleicht die Ehe retten können. Die Macht der Liebe ist schon ein großes Geheimnis. Ich bin sehr vorsichtig in der Verurteilung solcher Ehen, weil ich erlebt habe, wie stark eine neue Beziehung werden kann, wenn die erste schwach geworden ist. Sehr wichtig ist es, rechtzeitig Distanz zu schaffen, die eheliche Beziehung von Anfang an auch zu pflegen und sich zu bemühen, in der Liebe zum anderen zu wachsen.

      Ehrlich gesagt habe ich an eine mögliche Auflösung der beiden Suffragan-Bistümer Dresden und Görlitz zu Gunsten einer großen ostdeutschen Gesamtdiözese mit Berlin noch nicht gedacht. Grundsätzlich wäre das schon möglich, aber in unmittelbarer zeitlicher Nähe sehe ich es noch nicht. Allerdings halte ich es nicht für unmöglich, dass einmal Görlitz teilweise mit Dresden und mit Berlin vereinigt werden könnte, weil es wirklich zahlenmäßig, nicht flächenmäßig, sehr klein ist und der Größe des Berliner Dekanates Neukölln entspricht. Dabei darf man nicht übersehen, dass gerade Görlitz pastoral sehr lebendig ist und den höchsten prozentualen Gottesdienstbesuch am Sonntag in Deutschland zählt, nämlich: 20,1 %.
      Ja, die Finanzkrise hat uns schon sehr zugesetzt, weil wir damals manche guten Mitarbeiter z.T. auch an andere Bistümer verloren hatten, die uns heute fehlen. Wir waren jedoch damals alle zuversichtlich, dass wir uns auch wieder irgendwie und irgendwann erholen würden. Heute geht es uns finanziell wieder besser; aber niemand weiß, wie lange. Technische Mitarbeiter finden sich leichter als pastorale, die nicht nur eine gute Ausbildung haben, sondern auch überzeugt aus dem Glauben leben müssen, weil sie ihn ja weitergeben sollen. Wir haben über die Pfarreien hinaus mehr katholische Einrichtungen (z.B. Kindertagesstätten) als wir dafür Mitarbeiter, bzw. Mitarbeiterinnen haben. Um ein Bild zu gebrauchen: die Karosserie ist zu groß für den Motor.

  11. Ein wundervoller Beitrag und ein großes Zeichen dafür, dass unsere Kirche lebt und atmet. Grandios und ein Zeugnis der Zeit. Vielen Dank Herr Weihbischof und natürlich auch an den Herrn Ahrendt.

  12. Ich wurde von Weihbischof Weider gefirmt. Darum habe ich vielleicht einen verklärenden Blick auf dieses Internetradio-Stück. Mich überrascht es nicht, dass der WeihBi hier in dieser Form auftritt, denn er ist ein ganz gelassener und echt menschennaher Mann. Was ich toll finde ist, dass der Weihbischof offenbar keine Angst vor dem Internet hat, wie es manch ein anderer ja durchaus zu haben scheint.

    Ich habe das hier übrigens über ein Paar Umwege gefunden. Am Ende wurde ich aber von der Wikipedia hier her geleitet. Da dieses Interview als Primärquelle angegeben ist. Was ich bemerkenswert finde, denn das ist ein Zeitzeugnis, was wir wohl so, in dieser Art, nicht mehr lange vom Weihbischof Weider bekommen können, er ist ja nun auch schon sehr hoch betagt. Mir würden spontan aber ncoh ein paar andere Pfarrer einfallen, die man in der Form mal als Primärquelle erhalten müsste.

  13. Finde ich richtig toll hier! Danke an den Weihbischof für den Mut bei dem Podcast dabei zu sein. Richtig toll! Das zeigt doch wie aufgeschlossen udn vielfältig unsere Kirche ist.Ich bin nicht sicher ob unser Bischof Marx das machen würde …

  14. Hallo, ich höre das hier aus der Ferne und bin über The Cathwalk auf den Cast aufmerksam geworden. Ganz interessantes Konzept, aber der Ton muss noch besser werden, das weißt du aber wohl sicher. :D

    Jetzt mal zur Sache: Ich wollte meine Wertschätzung gern ausdrücken. Vielen Dank für diesen kleinen Blick auf ein außergewöhnliches Leben, in der tiefen Liebe zum göttlichen im Menschen. Ich finde es sehr mutig, auch von solchen Dingen, wie Krankheit udn Krieg zu berichten udn zu erzählen. Aber dann den Kontrast zur JukeBox in der Bar unter der “Kirche” zu finden. Gut gemacht!
    Fänd es schön, wenn es bald mehr von sowas geben könnte, aber in besserem Ton .. ;-)

  15. Schön, dass der Weihbischof so nett ist udn einen kleinen Einblick in sein Leben gewährt. Ich wünschte, dass es mehr davon gäbe. Sind ncoh mehr von solchen Darstellungen geplant?

  16. Ich arbete gerade an einer Referatsarbeit und finde die Einlassungen des Herrn Weihbischofs sehr gut. Er ist schließlich eine Institution in Berlin. Was ich als tollen Nebeneffekt hier von empfinde: Die Wikipedia hat sich den Content genommen und damit wurde hiermit auch ein großer Beitrag zum Weltwissen gemacht. Sogar das Wiki-Data-Team hat sich das angesehen und das einzigartige Dokument als PRIMÄRQUELLE eingepflegt.

    Warum nicht mal mit Domprobst Rother (der ist auch schon über 70!) oder anderen sowas machen? Wäre das nischt?

    • Danke für die Blumen, das freut mich immer sehr so etwas zu hören.
      Ich habe ein Projekt in Planung, was vielleicht Deinen Durst löschen könnte. Aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern – leider. Aber wenn Du magst, kannst Du den Podcastfeed ja abonnieren. Domprobst Rother ist vielleicht ganz interessant, eine gute Anregung..

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