Vatikan Flagge

GB008 | Apostolische Nuntiatur

Null-Zehn-Eins: Mit der BVG nach Rom


Teilnehmer:
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avatar Msgr. Jürgen Doetsch Orator

Für diese Episode bin ich weit gereist, aber irgendwie doch nicht. Ich bin bis in den Vatikan gefahren und das mit meinem Lieblingsfortbewegungsmittel, der U-Bahn. Natürlich werden es die meisten, meiner klugen Hörer, schon erahnen: Ich bin gar nicht wirklich nach Rom, in den Vatikan, gefahren. Es ging für mich in die Apostolische Nuntiatur. Die apostolische Nuntiatur in Berlin, sie ist die diplomatische Vertretung des Vatikan-Staates, eigentlich stimmt das aber nicht so richtig, denn es ist die Vertretung des Papstes, des heiligen Stuhls. Der heilige Stuhl ist ein so genanntes Völkerrechtssubjekt. Das ist alles im ersten Augenblick recht vertrackt und ein bisschen schwer verständlich – ich gebe zu, dass mir diesmal der Kopf rauchte.

Die apostolische Nuntiatur befindet sich in Berlin-Neukölln, dem einwohnerreichsten Bezirk, der zwölf Bezirke Berlins, sie ist aber ziemlich genau auf der Grenze zu Kreuzberg. Der imposante, aber auch zugleich sehr schlichte Bau steht direkt an der Hasenheide, einen Sprung weit vom lauten Südstern entfernt. Ich kenne viele Menschen, mich inbegriffen, die schon häufig vom U-Bahnhof in den Erholungspark – die Hasenheide – gingen, dabei zwar bemerkten, dass dort etwas ist, aber nicht wussten, dass dies der Botschaftsbau des Papstes ist. Eine leichte und schneeweiße Konstruktion, mit die Fenstern vom Boden bis zur jeweiligen Decke ragen. Marmor bestimmt das Gebäude – innen, wie außen. Ein klassischer Zaun umringt und scheidet das Bauwerk so von der kleinen Lilienthalstraße.

Doch dieser Zaun trennt die Nuntiatur nicht nur von der Straße, der Hasenheide und dem Garnisonsfriedhof. Nein, als exterritoriales Gebiet trennt er das Grundstück auch von der Hoheit der BRD ab. Inmitten der Begrünung des Arbeiterbezirks Neukölln, steht ein eigenes kleines (Titular)Erzbistum, mit einer eigenen kleinen Kathedrale. Als ich an der nebenstehenden Johannes Basilika stand und mir einen Überblick verschaffte, wurde mir eins bewusst: Der Vatikan, er ist der kleinste, aber zugleich auch der grösste Staat der Welt. Ich drückte den kleinen Knopf neben dem Tor, sofort wurde mir geöffnet. Ich schritt den Vorhof entlang und fühlte mich plötzlich in einer anderen, einer ruhigeren Welt. Die hohe Tür schwang auf und mich begrüßte ein freundlicher Herr mit meinem Namen.

Msgr. Jürgen Doetsch

Msgr. Jürgen Doetsch

Kurze Zeit später saß ich mit meinem diesmaligen Gesprächspartner, Monsignore Jürgen Doetsch, zusammen im Fernsehzimmer der Nuntiatur. Ich fühlte mich außerordentlich freundlich und gut aufgenommen. Wir haben darüber gesprochen was die Aufgabe einer Nuntiatur ist und ein wenig angedeutet, was die Rolle des Kirchenstaates in der Welt ist. Hoffentlich ist es uns gelungen die komplexen Gebilde verständlich darzustellen. Man mag meinen, dass der winzige Kirchenstaat, auf nur 44 Hektar Land, keine große Rolle in der Weltpolitik spiele. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Der Souverän des kleinen Staates ist ein mächtiger Mann im Weltgeschehen. Das drückt auch die Bedeutung aus, die ihm bei Staatsempfängen zuteil wird. Es gibt nur drei Männer, die die höchste Sicherheitspriorität bei Staatsbesuchen bekommen. Das sind der US Präsident,  sowie der israelische Ministerpräsident – und eben der Papst.

Räuberpistolen gibt es hier leider nicht zu hören. Geheimdienste im Auftrage seiner Heiligkeit, oder abhörsichere Räume gibt es nicht. Die Diplomatenpost steckt in einem schlichten DHL-Sack und auch sonst ist die Arbeit hier eher unspektakulär. Dafür is die Atmosphäre entspannt und offen. Es ist lichtdurchflutet und die Räume sind großzügig gestaltet. So ist es diesmal auch so, dass der Hall im Ton, nicht durch schlechte Aufnahmesituationen entstand oder karge Raumgestaltungen schuldhaft sind, sondern die Räume wirklich groß und hoch sind. So konnte ich mich überzeugen lassen: man achtet darauf, dass dieses Haus eine Nuntiatur ist und somit auch ein gastfreundliches Haus und kein Schuppen ist.

Im Innern der Nuntiatur bestimmt ebenso der weiße Carrara-Marmor das Erscheinungsbild. Durch gekonnte Einrichtung jedoch wirkt alles warm, angenehm und einladend. große, dicke Teppiche und barocke Möbel finden Platz neben modernen Clubsesseln, inmitten kubistischer Architektur.

Empfangshalle der apostolischen Nuntiatur in Berlin

Empfangshalle der Nuntiatur

Es ist sehr schade, dass die Kapelle nicht für jeden zugänglich ist, denn die kleine Kathedrale des Titularerzbistums, seiner hochwürdigsten Exzellenz Erzbischof Nikola Eterović (Titularbistum: Cibalae), ist wirklich sehenswert. Es liegt viel Liebe zum Detail in der Architektur. Allein die Portale sind sehenswert. Die Atmosphäre ist warm doch zugleich sehr einfach und aufgeräumt. Steve Jobs hätte wohl seine Freude an diesem Ort gehabt.

Ich muss ja zugeben, dass ich mich eigentlich nicht mehr von so richtig vielen Dingen begeistern lasse, aber irgendwie hat es dieser schlichte, aber unglaubliche Ort, dieses kleine Erzbistum an der Hasenheide, nachhaltig beeindruckt. Erfüllt von viel Glückseligkeit, aber auch einer Ahnung der Größe der Aufgabe dieser Mission verlasse ich jenes Hauses.

 

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